Woran Sie gute Stoffqualitäten und Materialien erkennen.

29 Dez Woran Sie gute Stoffqualitäten und Materialien erkennen.

Häufig sagen mir Kunden in der Stilberatung, dass gute Qualitäten und Stoffe automatisch teurer sind. Aber das muss nicht sein. Es gibt im hochpreisigen Segment durchaus Qualitäten, die man bei den günstigeren Anbietern genauso findet. Aber es ist auch oft andersherum. Nun kann sich aber nicht jeder hochwertige Markenprodukte leisten. Da ich viele Jahre Textilkunde im Studium hatte, möchte ich Ihnen hier gerne einige Basis Tipps an die Hand geben, denn :

 

„Qualität erzeugt Vertrauen, Vertrauen erzeugt Begeisterung, Begeisterung erobert die Welt.“

 

So erkennen Sie bei den bekannten Modeketten Kleidungsstücke von guter Qualität.

Der Shoppingfrust kann schnell kommen, wenn Kleidungsstücke, die man neu gekauft hat, schon nach kurzer Zeit grobe Abnutzungserscheinungen aufweisen. Am häufigsten ist das der Fall, wenn die Sachen in den bekannten günstigen Modeketten eingekauft wurden. Aufgrund des Preises wird hier natürlich am Material gespart, aber mit ein paar einfachen Tricks erkennen Sie bei H&M, Orsay und Co. die bessere Qualität:

 

Materialien

Qualitativ wertvolle Stoffe sollten mindestens einen Anteil an hochwertigen Naturfasern dabei haben – also Wolle, Seide, Leinen, und bei Baumwolle hochwertige Qualitäten. (Pima-Baumwolle und mercerisierte, gechinzte oder feine Batistware sind die besten Qualitäten.)

Baumwolle: Ob Sie T-Shirts mit oder ohne Elasthan lieber mögen, ist reine Geschmackssache. Worauf Sie beim Kauf von 100% Baumwolle jedoch achten sollten, ist der Fadenlauf, d.h. ob die feinen Maschen gerade laufen. Tun sie dies nicht und sind leicht diagonal,  entsteht nach einigem Waschen eine schiefe Seitennaht, die sich nach vorne zieht. Vorallem wenn das T-Shirt einen Druck oder eine Applikation auf der Brust enthält, wird sich dieser schnell verziehen. T-Shirts mit Elasthananteil sind dagegen elastischer und halten länger die Form. Man darf sie allerdings nicht so heiss waschen wie reine Baumwolle.

Bei schwarzen Stoffen mit einem 5 % Elasthananteil besteht immer die Gefahr, dass der Elasthananteil schnell ausbleicht- denn Elasthan kann man nicht gut färben. Daher sollte man Kleidungsstücke aus dieser Materialkombination wirklich nur bei 30 Grad Feinwäsche waschen. Sonst ergibt dann nach einigen Wäschen der typische ausgewaschene Grauschleier- das sieht man auch häufig bei günstigen Jeans.

 

 

Kunstfasern unterstützen die negativen Eigenschaften der Naturfasern.

Naturfasern haben auch Nachteile, so knittert Baumwolle zum Beispiel recht leicht. Ein Polyesteranteil in der Kombination macht die Haltbarkeit von Baumwolle, Wolle  und Viscose besser. Das Material leiert oder knitterte dann insgesamt nicht so stark. Daher ist es grundsätzlich auch in Ordnung,  Mischungen aus verschiedenen Materialien zu tragen. Baumwoll- oder Viscose/ Polyestermischungen sind zum Besipiel in Ordnung, sie geben der Baumwolle Stand und die Farbe bleicht nicht so leicht aus. Wenn Sie allerdings lesen: „Wollpullover“ und im Etikett steht 85% Acryl und 15 % Wolle, ist das Mist.

Acryl: In Kleidung oder Schals steckt meist Polyacrylnitril, welches wie Polyester chemisch hergestellt wird. Die Faser ist wollartig, warm, fühlt sich weich an und knittert nicht so leicht. Gerade zu Beginn und beim Kauf denkt man: „wow- ist das schön weich und kuschelig“. Aber Acryl wärmt nicht gut, speichert keine Feuchtigkeit, deswegen müffelt man auch so leicht darin. Es pillert leicht und man kriegt sehr leicht einen Schlag. Ausserdem fliegen die Haare sehr oft beim Tragen dieser Kunstfaser. Als Beimischung kann man es dulden, aber lange halten wird es sicherlich nicht. Aus ökologischen Gründen ist es sowieso nicht vertretbar, weil es viele viele hundert Jahre braucht, um sich zu zersetzen und damit die Umwelt belastet.

 

Diller-yourself-Materialpflege-Fusselrasierer

 

Reiben Sie für 10 Sekunden zwei Schichten des Stoffes mit Druck aneinander. Wenn sich kleine Kügelchen, das sogenannte Pilling bildet, ist das ein Zeichen für schlechte Qualität.

Sollten Sie schon diverse solcher Pillings an Ihren Pullover haben, empfehle ich gerne einen sogenannten Fusselrasierer. In der Kurzwarenabteilng von Kaufhäusern sind sie günstig zu kaufen und halten Ihre Pullover und Strickware frei von den unschönen Knötchen.

 

Reine Kunstfaser wie Polyester

ist knitterfrei, reißfest, witterungsbeständig und nimmt nur sehr wenig Wasser auf – daher ist es vor allem für Sportklamotten geeignet. Und dafür ist es urspünglich auch entwickelt worden. Das erklärt aber auch, warum man sich darin nicht wohlfühlt, wenn man es den ganzen Tag trägt: Die Fasern können die tägliche Menge an Köperflüssigkeit einfach nicht aufnehmen! Der Schweiss wird nach außen abgeleitet, klebt aus der Haut und man müffelt daher auch viel schneller und viele Menschen fühlen sich deshalb zu recht unwohl. Es gibt sehr einigen Jahren sehr viel Polyester auf dem Markt, da es sehr günstig in der Herstelung ist- Plasti eben. Es gibt zwar verschieden gute Qualitäten und das Polyester aus den 70er Jahren ist nicht mehr mit dem von heute zu vergleichen, dennoch bleibt immer dieser grundsätzliche Nachteil. Ich hatte schon Kunden, die keinerlei Probleme damit haben, weil sie sowieso eher der verfrorene Typ sind und kaum schwitzen- dann mag es funktioniern. Alternativ können Sie das Problem lösen, indem sie immer ein T-Shirt darunter tragen- das funktioniert.

Natürlich ist Polyester (PES) genauso wie Acryl überhaupt nicht nachhaltig, weil es sich nicht zersetzt- ähnlich wie eine Platiktüte.

 

Viskose

wird aus Cellulose hergestellt, die wiederum aus Pflanzenfasern gewonnen wird- unter anderem aus Holz oder Baumwolle. Diese wird dann mit Chemikalien behandelt, um Viskose herzustellen. Ich empfehle Viskose gerne für Oberteile und Kleider, denn sie hat zwei gute Eigenschaften: Einen fließenden glatten Fall, sie kann hochglänzend bedruckt werden und ist nicht so teuer wie Seide. Viscose kann man gut waschen, ABER sie knittert leicht und läuft 5 % ein. Daher muss man sie auch immer bügeln. Mein Tipp: nach der Wäsche unbedingt in Form ziehen- in der Länge wie Breite.

 

Greifen Sie beim Kauf einer Viscoseware immer in das Material hinein und drücken es mit der Faust zusammen.

Springt es danach einigermassen glatt wieder zurück, ist die Qualität in Ordnung. Bleibt es voller Knitter wie ein Stück zerknüllte Zeitung zurück, sollten Sie die Finger davon lassen.

 

Auf die Verarbeitung und Details achten.

Preiswerte Mode bedeutet nicht zwangsläufig schlechte Qualität. Achten Sie beim Kauf vor allem auf die Verarbeitung. Prüfen Sie, ob Nähte und Futter sauber vernäht wurden und glatt sind. Das geht am besten, wenn Sie den Stoff an den Nähten etwas auseinander ziehen. Hält es oder bilden sich sofort feine Risse im Stoff? Zieht eine Naht, ist sie mit zu hoher Spannung genäht worden und wird somit immer unruhig bleiben. Ausserdem ist sie dann schwerer zu bügeln. Das sieht man häufiger an Knopfleisten bei Herrenehmden oder Damenblusen.

Bei Kleidungsstücken mit Knöpfen ist es ein Qualitätsmerkmal, wenn sich ein Ersatzknopf findet. Testen Sie bei Hosen und Jacken außerdem den Reißverschluss. Wenn er sich problemlos öffnen und schließen lässt, wurde sauber gearbeitet. Zweiwege-Reißverschlüsse gehen übrigens häufiger kaputt.

 

Diller-yourself-Material

 

Geruchs- und Fühl-Test.

Verlassen Sie sich im Laden außerdem auf Ihre Sinne. Machen Sie denn Geruchstest. Riecht das Oberteil oder der Schal allzu künstlich, lassen Sie lieber die Finger davon. Besonders auffällig ist das bei günstigen Wollpullovern, die nach Reisswolle, Papier und muffig riechen. Daran läßt sich erkennen, ob sie aus Wollresten zusammengesetzt wurden. Oftmals werden in der Textilproduktion auch chemische Ausrüstungen eingesetzt, um Materialien bestimmte Eigenschaften zu geben. PFC wird z.B. eingesetzt, um die Kleidung wasserdicht auszurüsten. Auch Kunstleder enthält oft Phthalate , die genutzt werden, um das Hartplastik PVC weicher zu machen. Gerade Kinderregenbekleidung sollte man daher besonders kritisch prüfen.

 

Anprobieren ist das A und O.

Neben einer sauberen Verarbeitung ist eine gute Passform das Zweitwichtigste auf Ihrer Checkliste. Das heißt: Probieren Sie Kleidung vor dem Kauf immer an. Auf dem Bügel sieht ein Teil meist anders aus als angezogen. Ein weiterer Tipp: Bewegen Sie sich in dem gewünschten Kleidungsstück. Machen Sie ein paar Schritte, heben Sie die Arme und gehen Sie in die Hocke. Dabei wird sich zeigen, wie gut der Schnitt für Sie ist. Ist er dehnbar und bleibt er in Form? Fühlt er sich gut an auf der Haut?

 

Anzugstoffe

Guter Stoff ist, ein wenig Übung vorausgesetzt, nicht besonders schwierig von weniger gutem zu unterscheiden. Nehmen Sie den Stoff eines Anzugärmels zwischen Daumen und Zeigefinger und drücken Sie ihn zuerst leicht, dann kräftiger zusammen: Das Material sollte nicht zu nachgiebig sein und keine scharfe Kante zeigen. Lockert man den Druck, sollte der Stoff elastisch genug sein, um mühelos in seine Ausgangslage zurückzuspringen, ohne dass sichtbare Spuren zurückbleiben. Guter Stoff fühlt sich eher trocken an und zeigt einen leichten Widerstand, man hört sogar eine Art Knirschen. Schlechter Stoff ist leblos. Was ist schließlich einiges Drücken, Reiben und Zupfen im Vergleich zu einem ganzen Tag im Büro — am Körper des Trägers?

 

Extrafein:Kaschmir

Kashmir erkennt man am besonders weichen Griff. Kaschmir Wolle ist nicht nur besonders, weil sie schwer zu gewinnen ist, sondern wegen ihrer einzigartigen Eigenschaften, die sie zur hochwertigsten Wollsorte machen. Was Kaschmir Wolle von allen anderen Wollarten unterscheidet, ist ihre Feinheit. Mit einem Durchmesser von nur 15 bis 19 Mikrometern haben die Haare gerade mal 1/6tel des Durchmessers eines durchschnittlichen Menschen-Haars. Diese Feinheit ist für das angenehm weiche Gefühl auf der Haut verantwortlich, das Kaschmir Fans ( wie ich auch) so lieben.

Guten vom schlechtem Kaschmir zu unterscheiden ist schwer. Ich hatte schon Pullover für € 99,- die jahrelang ohne das für Kaschmir typische Pilling ausgehalten haben. Und ich hatte eine Strickjacke für € 300,- die nach einem Winter recht mitgenommen aussah. Da kann ich Ihnen leider keinen Tipp geben, denn man steckt nicht drin. Nur so viel: Kaschmir kann man wunderbar im Wollwaschgang mit Wollwaschmittel waschen und liegend auf einem Handtuch trocknen. Es ist eine Naturfaser, sie müssen Sie nicht in die Reinigung bringen. Ich liebe das weiche, kuschelige und so sehr angenehme Material auf der Haut sehr, es fällt durch sein Gewicht auch immer viel leichter und sieht edler aus als klassische Wollpullover.

 

Einen hochwertigen Kashmirschal können Sie durch einen Ringfinger ziehen !

So ein Schal wird Sie wärmen wie ein dickes schweres Federbett, sich aber so leicht anfühlen wie eine Wolke. Ich wünsche Ihnen viel Spaß und Erfolg beim Material auswählen.

 

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Fotos: Rene Lezard



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