Parisienne Style: So funktioniert der französische Stil

14 Apr Parisienne Style: So funktioniert der französische Stil

Dieser Blog ist ein Gastbeitrag meiner Cousine Angelika- eine Frau, der Mode und  Stil ein genauso wichtiges Thema ist wie mir. Wir können uns nie treffen, ohne innerhalb der ersten 10 Minuten über Kleidung zu sprechen. Da sie viele Jahre in Paris gelebt hat, schreibt sie als Deutsche über die Französin, die wir alle so bewundern. Keine beobachtet und kennt sie so gut wie sie:

 

„Als ich mit 16 Jahren in den 1970-er Jahren das erste Mal in Paris war, verliebte ich mich in diese Stadt und diese Liebe begleitet mich bis heute, sie ist stetig gewachsen und tut dies noch immer.

Inzwischen arbeite ich in Frankfurt für einen französischen Konzern und lerne immer wieder neue französische Facetten kennen, die mich faszinieren und inspirieren. Was Stil und Lebenslust betrifft, können wir immer noch viel von unseren französischen Nachbarn lernen.

French Style – French Style?

Der Stil der Französinnen ist in den letzten Jahren nahezu verklärt und in immer wiederkehrender Manier durch die Medien gezogen worden. In vielen Büchern, von Französinnen und deutschen Autorinnen, wurde darüber geschrieben, was wir tun
 können, um wie eine Französin auszusehen.

Warum gerade die Französin und nicht die Italienerin, die Spanierin oder auch Frauen aus den skandinavischen Länder?

Es ist eine Frage wert und gibt auch schon ein wenig Einblick, denn die Lebenskunst, das „Savoir Vivre“, hat sich in Frankreich sehr stark entwickelt- damit verbunden eine zuweilen in den Augen der restlichen Welt übertriebene, aber faszinierende Konzentration auf das Äußere. So etwa wie eine Mutter, die in ein verzogenes Kind vernarrt ist und mit einer Spur Erstaunen und Stolz seinen starken Eigensinn betrachtet.

Der Ursprung der französischen Mode

Unter Ludwig dem XIV war fast der ganze Adel Frankreichs im Schloß Versailles versammelt und frönte vielen Exzessen, die dann eben stetig zum Untergang des Königshauses führten. Doch zu seiner Blütezeit ahnte man noch nichts davon.

Die vielen Menschen, die am Hofe lebten, vertrieben sich die Zeit mit Spielen, Spazierengehen, Parlieren – jedoch vor allem, um sich prachtvoll zu inszenieren. Hierzu wurde die höfische Etikette geschaffen, die man noch heute im Umgang mit Franzosen spürt: Höflichkeit ist oberstes Gebot, die Sprache sollte schön sein- bevor man zum Punkt kommt, tauscht man sich erst über Banales aus.

Für uns Deutsche erst einmal verplemperte Zeit, bis man realisiert, dass es entspannter sein kann, erst einmal die Gedanken und Worte nicht auf Geschäftliches zu lenken, sondern den Geist etwas schweifen zu lassen.

Über die nächsten Jahrhunderte änderten sich zwar die politischen Machtverhältnisse, Frankreich blieb jedoch in Sachen Mode lange der Nabel der Welt. Im 19. Jahrhundert entstanden in Paris die ersten „Grands Magazins“, die ersten Kaufhäuser, ein Novum, das vor allem Frauen die Möglichkeit bot, alleine einkaufen zu gehen und Waren aus der ganzen Welt zu sehen. Die ersten Shopping Paradise wurden geschaffen.

Im 20. Jahrhundert eroberten dann Pariser Modeschöpfer die Welt, erst zögerlich, dann zogen auch mit rasantem Tempo andere Länder nach. Mit der Globalisierung wurde Mode neu definiert, demokratisiert, aber auch demoliert. Die Eleganz ist dabei ziemlich auf der Strecke geblieben, alles ist erlaubt, alles wird getragen, selbst weltberühmte Modehäuser inszenieren sich nur noch selbst bzw. ihre Marke.

HIER GIBT ES BILDER UND INSPIRATION ZU DIESEM BLOGBEITRAG

 

Was macht die Französin von heute aus?

Können wir überhaupt etwas von ihr lernen? Ist sie hübscher, schlanker, eleganter oder sexier als wir?

Für mich hat die typische Französin oft schöne Haut, manchmal etwas sommersprossig, große Augen, einen schönen Mund. Sollten die Haare nicht perfekt sein, sind sie perfekt geschnitten, ihr Körperbau ist oft grazil, schlank, die Größe variiert.

Französinnen sind auf den ersten Blick fast ungeschminkt, die Haare wirken oft „undone“, sie sind lässig, nicht nachlässig gekleidet- mit dem gewissen Etwas. Sie tragen selten Schuhe mit hohen Absätzen, weil das in der Stadt viel zu anstrengend wäre, haben immer irgendein Schmuckstück an, das ganz zart ums Handgelenk gewickelt ist oder süße kleine Ohrringe, die ihre Kopf- und Halspartie oder ihren „undone bun“ betonen.

Oft liegt eine Tasche quer um den Körper (heute Cross Bag), weil auch das in der Stadt praktischer ist, man die Hände frei für Kinder, Hundeleinen oder einen Coffee-to-go hat.

Die Ausstrahlung ist selbstbewusst, nicht arrogant, Männern signalisiert das „du musst Dich schon anstrengen, um bei mir zu landen“. Ihr Schritt ist zügig, nicht gehetzt.

Mythos Schlankheit

In Frankreich wird auch heute noch essen zelebriert. Kochen und essen nimmt einen so großen Stellenwert ein, dass man sich eigentlich wundert, warum die Mehrheit der Menschen in Paris schlank ist – zumindest schlanker als hier.
Ganz einfach: Es wird zwar ständig über Essen geredet, aber es wird gut und wenig gegessen.

Ich habe das oft bei meinen französischen Kolleginnen beobachtet: Morgens nur einen Kaffee und ein kleines (!) Croissant, mittags Salat oder ein Omelette, abends dann drei Gänge, aber die sind klein! Fast immer ist Gemüse oder Salat dabei, Fisch oder mageres Fleisch.

Dessert ist ein Muss (man wird deprimiert, wenn es keines gibt – es ist ein „no go“), aber man lässt die Hälfte stehen oder teilt es mit Freundin, Freund, Ehepartner, bestellt verschiedenen Varianten und hat wieder einmal Redestoff für den halben Abend. Es wird über jeden Gang geredet, der Teller wird begutachtet, die Präsentation der Speisen – slow food quasi.

Das kann man schon bei kleinen Kindern beobachten, die artig mit den Eltern am Tisch sitzen und deren Aufmerksamkeit auf jede einzelne Speise gelenkt wird.

Was wir daraus lernen können:

Mehr Klasse als Masse, gönne Dir Spaß beim Essen, lasse Dir Zeit, rede darüber, verzichte nicht auf vermeintlich dick machende Speisen, sondern genieße sie bewußt- aber in überschaubaren Portionen.

 

Mythos „kein Make-up“

Wo sonst, als in Paris kann man sich besser über die neuesten Beauty Trends informieren? Die großen Parfümerien bieten alles, was das Herz für die Erhaltung und Optimierung der Schönheit benötigt und noch vieles mehr.

Die Französin sitzt also sozusagen ganz nah am Freßnapf, dosiert aber gekonnt und minimalistisch. Die Mehrheit der Frauen sieht aus, als ob sie kein Make-up trägt, die Augen sind minimal betont, etwas Lippenstift, fertig.

Aber der erste Eindruck täuscht. Dieser „Natural Look“ kostet oft mehr Zeit, als ein normales Schminkritual. Die Haut ist gepflegt, das Make-up ist super zart, so daß man es nicht sieht, die Augen sind genau da betont, wo es richtig ist. Etwas dezenter Lidschatten oder ein Lidstrich. Ein Lippenstift wird dann eher nur als Statement aufgetragen – etwa knallrot, was bei einer blassen Haut phantastisch wirken kann.

Was wir daraus lernen können:

Weniger ist auch hier mehr, hat viel mehr Klasse, als ein vollgeschminktes Gesicht. Aber die Haut muss gepflegt werden, damit sie strahlen kann.
 Fokussieren Sie sich auf weniges, d. h. ein zartes Make-up und etwas Concealer (oder gar keines, wenn Sie junge tolle Haut haben), etwas Wimperntusche, Lippenstift – und davon auch nicht zu viel.

Ganz wichtig:

Ein Duft, den Sie lieben, der Ihre Stimmung hebt, der zu Ihnen passt. Übrigens kaufen Französinnen nicht ständig Markenprodukte, sondern auch Apotheken– oder Drogerieartikel, weil alles andere viel zu teuer wäre.

 

Mythos Haare

In Paris sieht man viele Frauen mit Kurzhaarschnitten: warum? Ganz einfach- weil es genauso viele Frauen gibt, die keine Zeit haben, stundenlang vor dem Spiegel zu fönen, weil es auch Frauen mit Problemhaaren gibt, aber vor allem phantastische Friseure, die ihr Handwerk perfekt verstehen und auf die weiblichen Formen kurzer Haare spezialisiert sind.

Nie würde man einer Kundin einen sportiven Männerhaarschnitt oder irgendeine Trendfrisur aufzwingen, wenn sie nicht die Haare dazu hat oder es ihr einfach nicht stünde. Man schneidet eher „weiche Formen und Konturen“, die ohne großes Styling zu trocken sind und auch hier wieder unangestrengt wirken.

Was wir daraus lernen können:

Suchen Sie sich einen richtig guten Friseur, der aus Ihnen nicht jemand anders machen will, sondern versteht, mit der Schere zu zaubern. Das kann dauern und mehrere Wechsel bedeuten, das kostet oft, aber gut geschnittenes Haar ist sein Geld wert!

 

Mythos French Style – Kleidung

Auch die Kleidung der Pariserin wirkt unangestrengt. Sie scheint wie geschaffen für den Großstadtdschungel, lässig, wenn körperbetont, dann nie überall, eher wird ein Schlüsselbein, ein Knöchel, ein Unterarm, eine Nackenpartie gezeigt.
Man trägt fast nie mehr als zwei Farben, Gemustertes wird reduziert durch schlichte Schnitte und abgemildert durch etwas Sportliches wie Converse Turnschuhe oder ein schlichtes weißes oder graues Tank Top unter einem Blümchenkleid – auf gar keinen Fall mit Strick Jäckchen, niedlichen Ballerinas, niedlichen Taschen – kombiniert.

Sobald es einen Tick zu romantisch ist, wird ein Gegengewicht gebildet – vor allem darf es nicht perfekt wirken, sondern wie zufällig aus dem Schank gefischt.

Accessoires sind das Tüpfelchen auf dem „I“: Ein Seidenschal, gekonnt zweimal um den Hals geschlungen und geknotet, ein Gürtel, viele feine Armglieder aber nie alles auf einmal.

Was wir daraus lernen können:

Wenn Ihnen reduzierter Stil gefällt, haben Sie schon den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht. Allerdings müssen Sie lernen, mit Accessoires zu spielen, damit es nicht langweilig, sondern spannend wirkt. Am einfachsten ist es, mit einem einzigen Teil zu beginnen.

Kaufen Sie sich ein schönes, feines, farbiges kleineres Tuch – gerne auch Second Hand und schauen Sie genau, welche Farben darin sind. So kann ein schwarzes oder dunkelblaues Outfit durch ein Tuch mit gelb, rot, grün o.ä. Frische bekommen und plötzlich ganz spannend aussehen.

Trauen Sie sich, ein paar farbige Schuhe zu tragen, wenn alles andere grau, schwarz oder dunkelblau ist.
Kaufen Sie nie eine billige Tasche – das entwertet alles, was Sie tragen. Nehmen Sie lieber eine Strohtasche oder eine „Fischertasche“, die man quer tragen kann oder spare Sie auf eine hochwertige Tasche.

Tasche: Muun by Breuninger

 

Als Französin in Deutschland?

Den „French Style“ können wir nicht eins zu eins übertragen und das sollten wir auch nicht tun, sondern als eine Quelle der Inspiration sehen. People watching, bei Pinterest und Instagram surfen, wenn man dann endlich den idealen Friseur gefunden hat, ein bißchen in einer französischen Zeitschrift blättern, sich über Beauty auf den neuesten Stand bringen und vor allem Spaß daran haben – so wie viele Französinnen, die ich kenne.

Auch ältere Frauen tragen dort Kleider mit Nonchalance – vielleicht mit den neuen farbigen Schuhen, die dann das ganze Outfit nur noch interessant wirken lassen!“

 

Inspiration und Looks gibt es auf meiner Pinterestwand hier:

 

Das könnte Sie auch interessieren:

5 Geheimnisse eines Schminkprofis für ein natürliches MakeUp

5 Erfolgsgeheimnisse, wie Sie den besten Blazer für sich finden