Parisienne Style: So funktioniert der französische Stil

14. Apr 2020 | Allgemein, Mode & Trends, Reisen

Der französische Stil ist nahezu verklärt und wird immer wieder in den Medien gefeiert. Wie schaffen es die Französinnen nur, immer so gut und lässig angezogen zu sein?

Der französische Stil – French Style?

Der Stil der Französinnen ist in den letzten Jahren nahezu verklärt und in immer wiederkehrender Manier durch die Medien gezogen worden. In vielen Büchern, von Französinnen und deutschen Autorinnen, wurde darüber geschrieben, was wir tun können, um wie eine Französin auszusehen.

Warum die Französin und nicht die Italienerin, Spanierin oder Frauen aus skandinavischen Ländern?

Es ist eine Frage wert und gibt auch schon ein wenig Einblick, denn die Lebenskunst, das „Savoir Vivre“, hat sich in Frankreich sehr stark entwickelt. Damit verbunden eine zuweilen in den Augen der restlichen Welt übertriebene, aber faszinierende Konzentration auf das Äußere. So etwa wie eine Mutter, die in ein verzogenes Kind vernarrt ist und mit einer Spur Erstaunen und Stolz seinen starken Eigensinn betrachtet.

Der französische Stil: sein Ursprung

Unter Ludwig dem XIV war fast der ganze Adel Frankreichs im Schloß Versailles versammelt und frönte vielen Exzessen, die dann eben stetig zum Untergang des Königshauses führten. Doch zu seiner Blütezeit ahnte man noch nichts davon.

Die vielen Menschen, die am Hofe lebten, vertrieben sich die Zeit mit Spielen, Spazierengehen, Parlieren – jedoch vor allem, um sich prachtvoll zu inszenieren. Hierzu wurde die höfische Etikette geschaffen, die man noch heute im Umgang mit Franzosen spürt: Höflichkeit ist oberstes Gebot, die Sprache sollte schön sein- bevor man zum Punkt kommt, tauscht man sich erst über Banales aus.

Der französische Stil spiegelt schon im Umgang seine Etikette.

Für uns Deutsche erst einmal verplemperte Zeit, bis man realisiert, dass es entspannter sein kann, erst einmal die Gedanken und Worte nicht auf Geschäftliches zu lenken, sondern den Geist etwas schweifen zu lassen.

Über die nächsten Jahrhunderte änderten sich zwar die politischen Machtverhältnisse, Frankreich blieb jedoch in Sachen Mode lange der Nabel der Welt. Im 19. Jahrhundert entstanden in Paris die ersten „Grands Magazins“, die ersten Kaufhäuser, ein Novum, das vor allem Frauen die Möglichkeit bot, alleine einkaufen zu gehen und Waren aus der ganzen Welt zu sehen. Die ersten Shopping Paradise wurden geschaffen.

Französisch kleiden…

Im 20. Jahrhundert eroberten dann Pariser Modeschöpfer die Welt, erst zögerlich, dann zogen auch mit rasantem Tempo andere Länder nach. Mit der Globalisierung wurde Mode neu definiert, demokratisiert, aber auch demoliert. Die Eleganz ist dabei ziemlich auf der Strecke geblieben, alles ist erlaubt, alles wird getragen, selbst weltberühmte Modehäuser inszenieren sich nur noch selbst bzw. ihre Marke.

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Französischer Stil: was macht die Französin aus?

Können wir überhaupt etwas von ihr lernen? Ist sie hübscher, schlanker, eleganter oder sexier als wir?

Für mich hat die typische Französin oft schöne Haut, manchmal etwas sommersprossig, große Augen, einen schönen Mund. Sollten die Haare nicht perfekt sein, sind sie perfekt geschnitten, ihr Körperbau ist oft grazil, schlank, die Größe variiert.

Französinnen sind auf den ersten Blick fast ungeschminkt, die Haare wirken oft „undone“, sie sind lässig, nicht nachlässig gekleidet- mit dem gewissen Etwas. Sie tragen selten Schuhe mit hohen Absätzen, weil das in der Stadt viel zu anstrengend wäre, haben immer irgendein Schmuckstück an, das ganz zart ums Handgelenk gewickelt ist oder süße kleine Ohrringe, die ihre Kopf- und Halspartie oder ihren „undone bun“ betonen.

Oft liegt eine Tasche quer um den Körper (heute Cross Bag), weil auch das in der Stadt praktischer ist, man die Hände frei für Kinder, Hundeleinen oder einen Coffee-to-go hat.

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Die Ausstrahlung ist selbstbewusst, nicht arrogant, Männern signalisiert das „Du musst Dich schon anstrengen, um bei mir zu landen“. Ihr Schritt ist zügig, nicht gehetzt.

Französischer Stil: Mythos Schlankheit

In Frankreich wird auch heute noch essen zelebriert. Kochen und essen nimmt einen so großen Stellenwert ein, dass man sich eigentlich wundert, warum die Mehrheit der Menschen in Paris schlank ist – zumindest schlanker als hier.
Ganz einfach: Es wird zwar ständig über Essen geredet, aber es wird gut und wenig gegessen.

Ich habe das oft bei meinen französischen Kolleginnen beobachtet: Morgens nur einen Kaffee und ein kleines (!) Croissant, mittags Salat oder ein Omelette, abends dann drei Gänge, aber die sind klein! Fast immer ist Gemüse oder Salat dabei, Fisch oder mageres Fleisch.

Dessert ist ein Muss (man wird deprimiert, wenn es keines gibt – es ist ein „no go“), aber man lässt die Hälfte stehen oder teilt es mit Freundin, Freund, Ehepartner, bestellt verschiedenen Varianten und hat wieder einmal Redestoff für den halben Abend. Es wird über jeden Gang geredet, der Teller wird begutachtet, die Präsentation der Speisen – slow food quasi.

Das kann man schon bei kleinen Kindern beobachten, die artig mit den Eltern am Tisch sitzen und deren Aufmerksamkeit auf jede einzelne Speise gelenkt wird.

Französischer Stil – was wir lernen:

Mehr Klasse als Masse, gönne Dir Spaß beim Essen, lasse Dir Zeit, rede darüber, verzichte nicht auf vermeintlich dick machende Speisen, sondern genieße sie bewußt- aber in überschaubaren Portionen. Das gleiche gilt fürs Auftreten.

Mythos „kein Make-up“

Wo sonst, als in Paris kann man sich besser über die neuesten Beauty Trends informieren? Die großen Parfümerien bieten alles, was das Herz für die Erhaltung und Optimierung der Schönheit benötigt und noch vieles mehr.

Die Französin sitzt also sozusagen ganz nah am Freßnapf, dosiert aber gekonnt und minimalistisch. Die Mehrheit der Frauen sieht aus, als ob sie kein Make-up trägt, die Augen sind minimal betont, etwas Lippenstift, fertig.

Französinnen sind fast immer geschminkt

Aber der erste Eindruck täuscht. Dieser „Natural Look“ kostet oft mehr Zeit, als ein normales Schminkritual. Die Haut ist gepflegt, das Make-up ist super zart, so daß man es nicht sieht, die Augen sind genau da betont, wo es richtig ist. Etwas dezenter Lidschatten oder ein Lidstrich. Ein Lippenstift wird dann eher nur als Statement aufgetragen – etwa knallrot, was bei einer blassen Haut phantastisch wirken kann.

Was Du vom französischem Stil lernen kannst:

Weniger ist auch hier mehr, hat viel mehr Klasse, als ein vollgeschminktes Gesicht. Aber die Haut muss gepflegt werden, damit sie strahlen kann. Fokussier Dich auf weniges, d. h. ein zartes Make-up und etwas Concealer (oder gar keines, wenn Du junge tolle Haut hast), etwas Wimperntusche, Lippenstift – und davon auch nicht zu viel.

Hier liest Du 5 Geheimnisse eines Schminkprofis für ein natürliches Make-Up.

Füge einen Duft hinzu, den Du liebst, der Deine Stimmung hebt, der zu Dir passt. Übrigens kaufen Französinnen nicht ständig Markenprodukte, sondern auch Apotheken– oder Drogerieartikel, weil alles andere viel zu teuer wäre.

Parisienne Style: die Haare sind wichtig!

In Paris sieht man viele Frauen mit Kurzhaarschnitten: Warum? Ganz einfach- weil es genauso viele Frauen gibt, die keine Zeit haben, stundenlang vor dem Spiegel zu fönen, weil es auch Frauen mit Problemhaaren gibt, aber vor allem phantastische Friseure, die ihr Handwerk perfekt verstehen und auf die weiblichen Formen kurzer Haare spezialisiert sind.

Nie würde man einer Kundin einen sportiven Männerhaarschnitt oder irgendeine Trendfrisur aufzwingen, wenn sie nicht die Haare dazu hat oder es ihr einfach nicht stünde. Man schneidet eher „weiche Formen und Konturen“, die ohne großes Styling zu trocken sind und auch hier wieder unangestrengt wirken.

So erreichst Du den French Look

Such Dir einen richtig guten Friseur, der aus Dir nicht jemand anderes machen will, sondern versteht, mit der Schere zu zaubern. Das kann dauern und mehrere Wechsel bedeuten, das kostet oft, aber gut geschnittenes Haar ist sein Geld wert!

Französischer Style mit der richtigen Kleidung

Auch die Kleidung der Pariserin wirkt unangestrengt. Sie scheint wie geschaffen für den Großstadtdschungel, lässig, wenn körperbetont, dann nie überall, eher wird ein Schlüsselbein, ein Knöchel, ein Unterarm, eine Nackenpartie gezeigt.

Französischer Stil: weniger ist mehr!

Man trägt fast nie mehr als zwei Farben, Gemustertes wird reduziert durch schlichte Schnitte und abgemildert durch etwas Sportliches wie Converse Turnschuhe oder ein schlichtes weißes oder graues Tank Top unter einem Blümchenkleid – auf gar keinen Fall mit Strick Jäckchen, niedlichen Ballerinas, niedlichen Taschen – kombiniert.

Sobald es einen Tick zu romantisch ist, wird ein Gegengewicht gebildet – vor allem darf es nicht perfekt wirken, sondern wie zufällig aus dem Schrank gefischt.

Accessoires sind das Tüpfelchen auf dem „I“: Ein Seidenschal, gekonnt zweimal um den Hals geschlungen und geknotet, ein Gürtel, viele feine Armbänder – aber nie alles auf einmal.

So übersetzt Du den französischen Stil für Dich

Wenn Dir reduzierter Stil gefällt, hast Du schon den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht. Allerdings musst Du lernen, mit Accessoires zu spielen, damit es nicht langweilig, sondern spannend wirkt. Am einfachsten ist es, mit einem einzigen Teil zu beginnen.

Kauf Dir ein schönes, feines, farbiges kleineres Tuch – gerne auch Second Hand und schau genau, welche Farben darin sind. So kann ein schwarzes oder dunkelblaues Outfit durch ein Tuch mit gelb, rot, grün o.ä. Frische bekommen und plötzlich ganz spannend aussehen.

Trau Dich, ein paar farbige Schuhe zu tragen, wenn alles andere grau, schwarz oder dunkelblau ist.
Kaufe nie eine billige Tasche – das entwertet alles, was Du trägst. Nimm lieber eine kleine oder Strohtasche oder eine „Fischertasche“, die man quer tragen kann oder spare auf eine hochwertige Tasche.

Französischer Stil in Deutschland?

Den „French Style“ können wir nicht eins zu eins übertragen und das sollten wir auch nicht tun, sondern als eine Quelle der Inspiration sehen. People watching, bei Pinterest und Instagram surfen, bis man dann endlich den idealen Friseur gefunden hat. Ein bißchen in einer französischen Zeitschrift blättern, sich über Beauty auf den neuesten Stand bringen und vor allem Spaß daran haben – so wie viele Französinnen, die ich kenne.

Auch ältere Frauen tragen dort Kleider mit Nonchalance – vielleicht mit den neuen farbigen Schuhen, die dann das ganze Outfit nur noch interessant wirken lassen!“

Französischer Stil: Bilder

Inspiration und Looks gibt es auf hier meiner Pinterestwand

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