Kleider machen Leader – durch Personal Branding zur Top-Führungskraft

Kleider machen Leader – durch Personal Branding zur Top-Führungskraft

Was macht eine wahre Führungspersönlichkeit aus? Ein Gespräch über Personal Branding und Führungskräfte als Marke. Interims Manager Ulvi Aydin und ich gehen diesem Thema auf den Grund.

Ulvi Aydin:
Stefanie, wir beide kommen auf den ersten Blick aus sehr unterschiedlichen Welten. Doch beim genaueren Hinschauen lassen sich auch Parallelen erkennen: Du kommst aus der Design-, Kommunikations- und Mode-Welt. Ich komme aus der Konsumgüterbranche und habe dort ebenfalls ein paar Stationen in der Modebranche gemacht. Heute unterstütze ich GeschäftsführerInnen dabei, ihr Unternehmen stärker zu machen und zu richtigen Führungspersönlichkeiten zu avancieren.

Und Du gibst Menschen den passenden Stil und hilfst ihnen somit, sichtbarer zu werden. Nun kommen immer wieder Führungskräfte auf mich zu und fragen, wie sie zu einer wahren Führungspersönlichkeit, einer echten Personenmarke, werden können – das ist doch ein interessantes Thema für uns beide?

Personenmarke oder Personal Branding- was bedeutet das eigentlich?

Diller-Yourself:
Führungskräfte oder gar Geschäftsführende sind enorm sichtbar. Ihr Auftritt in der Rolle der Führungskraft hat eine unmittelbare Wirkung auf ihr Umfeld – ob sie wollen oder nicht. Der italienische Künstler und Organisationstheoretiker Antonio Strati schreibt in seinem Buch Organization and Aesthetics:

„Ein Unternehmen ist nicht nur ein kognitives Konstrukt, sondern auch die Summe der ästhetischen Wahrnehmung der in ihm arbeitenden Menschen – und dem daraus entstandenen Wissen.
Die Führungskraft als Repräsentantin des Unternehmens kommuniziert also immer auch mit ihrem Äußerlichen.“

Führungskräfte sind Vorbilder

Ulvi Aydin:
Ja, der Auftritt der Geschäftsführung sagt viel über die Person und ihr Unternehmen aus. Kommen CEOs in einer Vorstandssitzung zu spät, spreche ich das immer direkt an: „Herr Müller, ich weiß, Sie haben Termine. Doch Sie sind das Vorbild hier. Wenn Sie immer als Letzter ihr eigenes Unternehmen betreten, müssen Sie sich nicht wundern, wenn sich der Schlendrian auch in der Belegschaft einschleicht.“

Alles kommuniziert. Die Führungskraft, die die Reinigungskräfte nicht grüßt, taugt in meinen Augen nichts. Sie ist eine schlechte Personenmarke, die nicht nur dem eigenen Image, sondern auch dem des Unternehmens schadet.

Diller-Yourself:
Du hast Recht und die Art und Weise, wie die Führungskraft sich kleidet, ist auch ein Vorbild. Wie arbeitest Du mit Geschäftsführenden, die eine Personal Brand entwickeln möchten?

Ulvi Aydin:
Eine ganzheitliche Führungshaltung beginnt innen. Führungskräfte können nur klar kommunizieren, wenn sie sich Gedanken darüber gemacht haben, wer sie sind, was ihnen wichtig ist und wohin sie mit dem Unternehmen möchten.

Welcher Typen von Personenmarken gibt es?

Sind Sie eher der Rambo, der drauflos galoppiert und schnell handelt? Oder sind Sie die Strategin, die ihre Teams gezielt einsetzt? Oder der Steve Jobs, der seine Mitmenschen inspirieren will?

Ob Offenheit, Kompetenz, Qualität, Klarheit, Humor, Geradlinigkeit, Tradition, Anerkennung, Gemeinwohl: Verantwortliche müssen sich ihre eigenen Werte einmal ehrlich vor Augen führen und sich einprägen. Dann gelingt es ihnen auch, danach zu handeln und souveräner aufzutreten.

Wie Sie Ihre Ziele als Personenmarke formulieren

Wer bin ich? Wer will ich sein? Was sind meine Werte? Was davon möchte ich im Unternehmen vermitteln? Was zeichnet mich beruflich aus? Welchen Nutzen habe ich im Unternehmen? Wie möchte ich wahrgenommen werden?

Anschließend geht es darum, kurze und klare Ziele zu formulieren. Für sich selbst und für das Unternehmen. Zum Beispiel:

• „Ich möchte mehr Freizeit haben. Darum will ich meine Mitarbeiter eigenverantwortlicher arbeiten lassen und den Umsatz in drei Jahren verdoppeln.“

• „Ich möchte InnovationsführerIn der Branche sein. Dafür will ich jedes Jahr 50 Prozent des Umsatzes mit Produkten machen, die die jünger als zwei Jahre sind.“

• „Ich möchte Tradition und Nachhaltigkeit verbinden. Dafür will ich neue Märkte erschließen und die Neukundenquote auf 30 Prozent erhöhen.“

In diesen Zielen steht oftmals schon die Frage beantwortet, wie die Person führen möchte – und wie ihr Auftritt die Unternehmensstrategie und Führungskultur widerspiegelt. Und an dieser Stelle stoße ich an meine Kompetenz-Grenzen.

Was würdest Du Geschäftsführenden raten: Wie kann ich durch meinen Kleidungsstil den eigenen Führungsstil unterstreichen?

Diller-Yourself:
Die eigenen Werte sind für den persönlichen Stil immer wichtig- ob Führungskraft oder nicht. Betrachten wir Geschäftsführende als Darsteller, deren Bühne der Markt ist, müssen wir die inneren Werte und die Führungshaltung in den Kleidungsstil einbeziehen. Lass uns dazu mal ein paar Beispiele durchgehen:

Kompetenz:
 Ist Kompetenz ein besonders wichtiger Wert, sollte der Kleidungsstil zur Branche passen. Der Geschäftsführer eines mittelständischen Maschinenbauers wirkt nicht kompetent, wenn er im Nadelstreifenanzug seinen Gang durch die Werkshalle macht. Die Jeans und ein festes Stoffhemd mit hochgekrempelten Ärmeln sind da wohl passender.

Klarheit:
 Wer ein Unternehmen führt, dessen Kundenversprechen „Klarheit und Struktur“ ist, dem rate ich zu einfarbigen Kleidungsstücken mit klaren Linien und Schnitten. Einfarbig bedeutet hierbei nicht nur „schwarz oder weiß“. Es dürfen auch Farben sein. Allerdings sollten keine Muster oder kleinteiligen verspielte Details dabei sein.

Offenheit:
 Ist Offenheit ein wichtiger Wert, bieten sich helle und freundliche Farben an – sowie weichere Materialien und lockere Kleidung. Dieser Stil lässt sich beispielsweise bei führenden PersonalerInnen beobachten, die viel mit Bewerbern sprechen. Heutzutage muss sich das Unternehmen bei den Kandidaten bewerben, von daher ist ein Offenheit ausstrahlender Kleidungsstil hierbei sehr hilfreich.

• Qualität:
 Für Geschäftsführende mit hohem Qualitätsanspruch eignen sich gute Passformen und Materialien sowie gute Schuhe, bei schwierigen Figurtypen maßgeschneiderte Anzüge – und keine ausgeleierte Kleidung.

• Humor:
 Humorvolle Führungskräfte können Muster tragen, Accessoires und Farbtupfer. Natürlich sollten die Farben zueinander passen. Es darf aber bitte durchaus etwas Augenzwinkerndes dabei sein.

• Tradition:
 Geschäftsführende, die für Tradition stehen, müssen nicht altmodisch aussehen. Klassische und traditionelle Kombinationen haben durchaus etwas Trendiges. Hier bietet sich an: Tweed, Camel, Blau, wenig Farbe, bei Männern Hosenträger, Tweed, Karo, melierte Stoffe, eventuell rote Tupfer.

Ulvi Aydin:

Toll! Das nehme ich mit. Halten wir also fest: Als GeschäftsführerIn muss ich meine inneren Werte herausarbeiten, die persönliche Führungshaltung daraus ableiten – und sich darauf basierend den passenden Kleidungsstil zulegen.

Eine Personenmarke werde ich aber bestimmt nicht von heute auf morgen!?

Diller-Yourself:
Stimmt, ist aber ein Aufwand, der sich lohnt. Denn: In dem passenden Kleidungsstil fühlt man sich selbst in den eigenen Werten und der Haltung bestätigt. Und das wirkt auf das professionelles Umfeld noch souveräner. Und wenn erstmal klar ist, in welche Richtung es geht, ist ein Personal Shopping der größte Spaß!

Vielen Dank für den Austausch!
Wenn Sie Fragen an Ulvi Aydin bezüglich der Führungshaltung haben – oder an mich bezüglich Ihres optischen Auftritts, dann melden Sie sich gerne per E-Mail: mail@stefaniediller.de

 

 

Fotos: Istock



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